Rosenmedizin

Die Heilkraft der Rose – ein Interview mit der Heilpraktikerin Angelika Gräfin Wolffskeel von Reichenberg 

Heilkraft der Rose - Interview

Rosen in der Medizin, Kosmetik und Aromatherapie haben eine lange Tradition. Warum sind sie jetzt als Wirkstoff wieder im Trend?
Im gesamten Mittelalter setzten die Heiler etwa 500 bis 600 Pflanzen ein. Noch als Amerika entdeckt wurde, gehörten Rosen zu den Grundlagen der Heilkunde, waren fester Bestandteil der Kräuterbücher. Heute werden in der Phytotherapie etwa 150 Pflanzen eingesetzt. Gründe für den Schwund gibt es viele. So unterliegen beispielsweise viele Pflanzen Modewellen. Einige waren mal richtig „in“, gerieten dann aber wieder in Vergessenheit. So ging es auch der Königin der Blumen. Zu einer Rosen-Renaissance kam es dann Ende des 19. Jahrhunderts, als die Wissenschaft begann, die Heilkräfte der Natur bis ins letzte Molekül zu erforschen.

Es gibt unendlich viele Rosensorten. Welche haben die stärkste Heilkraft für Haut und Sinne?
Die wohl stärkste Heilwirkung aller Rosen haben die Damaszener-Rosen, die entzündungshemmende, antiseptische und zellregenerierende Eigenschaften aufweisen. Aber auch die Essig- oder Apothekerrose, die botanisch Rosa gallica heißt, oder die Hundertjährige Rose, die als Centifolia bekannt ist, lässt sich kosmetisch oder medizinisch wunderbar einsetzen. Und natürlich die Scheinfrüchte der Hundsrose, die Hagebutten.

Was genau steckt in den Rosen und welche Wirkung kann man aus ihnen gewinnen?
In Rosen stecken ungefähr 550 Inhaltsstoffe, von denen aber rund 120 bisher noch nicht wissenschaftlich identifiziert werden konnten. Rosen enthalten die Vitamine A, B, D und E, dazu enorme Mengen Vitamin C. Ihre Anthocyane, also sekundäre Pflanzenstoffe, die den Rosen ihre rote Farbe verleihen, schützen den Organismus vor aggressiven Sauerstoffmolekülen. Das hält die Haut länger jung und straff, mildert Fältchen und verlangsamt Alterungsprozesse. Gerbstoffe ziehen die Haut zusammen und bekämpfen so Entzündungen. Inhaltsstoffe wie Carotin und Nerol beruhigen eine empfindliche oder gereizte Haut. Das Geraniol und Pektin der Rosen verbessern die Fähigkeit der Hautzellen, Feuchtigkeit zu speichern. Das lässt sie praller, jünger und gesünder aussehen. Und Rosenöl hat eine der stärksten antibiotischen Wirkungen aller weltweit bisher getesteten Pflanzenöle überhaupt: Bereits nach fünf Minuten kann das Rosenöl das Bakterium Propionibacterium acnes vernichten, das als ein Hauptverursacher für eitrige Pickel gilt.

Kann Rosenöl auch Fältchen glätten?
Absolut. Rosenöl kann die Haut durchdringen und bleibt in den Hautzellen mehrere Stunden aktiv. Am besten gelingt das dem ätherischen Öl Citronellol, das den herrlichen Duft der Rose prägt. Die Haut verliert weniger Wasser, Fältchen, etwa die um die Mundwinkel, die sogenannten Marionetten-Falten, verlieren an Tiefe und Schärfe, sogar Krähenfüße bilden sich zurück. Rosenöl aktiviert aber auch die Alpha-Wellen des Gehirns, die zu einer entspannten und gelösten Grundhaltung beitragen. Der Spiegel des Stresshormons Cortisol sinkt dadurch deutlich ab, die Faltenbildung durch seelische Belastungen wird geringer, die Haut sieht entspannter aus, wird bis in die feinste Mikrozirkulation besser durchblutet und mit Nährstoffen versorgt.

Haben Sie auch ein Rezept für die empfindliche Augenpartie?
Gern. Geben Sie drei gehäufte Esslöffel Rosenblätter sieben bis acht Tage in 250 Milliliter Mandelöl. Danach abseihen und in ein dunkles Fläschchen füllen. Massieren Sie das Öl vor dem Schlafengehen ganz sanft in kreisförmigen Bewegungen um die Augen ein. Für einen dauerhaften Anti-Aging-Effekt in Gesicht, Hals und Dekolleté können Sie fünf bis acht Tropfen Rosenöl in die Handflächen geben, auf die entsprechenden Partien auftragen und in kreisenden Bewegungen sanft, aber nachdrücklich einmassieren.  Am besten täglich zweimal.

Häufig wird auch Hagebutten-Extrakt für Cremes und Gesichtsöle verwendet. Wie wird dieser Extrakt gewonnen und was bewirkt er?
Neben viel Vitamin C und Betacarotin enthält Hagebuttenmark Pektine, Fruchtsäuren und Gerbstoffe. Die Heilwirkung der Kerne beruht auf ihrem hohen Gehalt an Kieselsäure. Das Spurenelement Silicium unterstützt den Körper bei Aufbau und Wachstum der Zellen und ist damit enorm wichtig für Haut, Nägel und Haare, stärkt Bindegewebe und Knochen. Und weil Kieselsäure ein Vielfaches ihres eigenen Gewichtes an Wasser speichern kann, polstert sie die Zellen prächtig auf.

Hier eine kleine Anleitung, wie Sie Hagebuttenöl selbst gewinnen können:
100 Gramm selbst gesammelte Hagebutten nach den ersten Frostnächten im Herbst oder Tiefkühlfrüchte klein schneiden, bei 30 bis 40 Grad Celsius im Backofen trocknen. Das dauert etwa sechs Stunden. Dann die Früchte in ein dunkles Gefäß mit 200 ml naturreinem Mandel-, Macadamia- oder Olivenöl geben. Etwa eine Woche stehen lassen, danach abseihen und in eine andere Flasche umfüllen. Welches Öl Sie wählen, ist Geschmackssache. Macadamiaöl riecht leicht nussig, Mandelöl fruchtig und Olivenöl beinahe neutral. Das rötlich-orangefarbene Hagebuttenöl ist für alle Hauttypen prima geeignet, besonders aber für empfindliche und trockene Haut.

Bei der Destillation von Rosenöl entsteht als Nebenprodukt Rosenwasser. Wofür kommt es in der Kosmetik zum Einsatz?
Rosenwasser unterstützt den natürlichen Säureschutzmantel und pflegt und entspannt empfindliche und sensible Haut. In der Kosmetik wird es zur Herstellung von Gesichtswässern oder pur benutzt, aber auch als Pflegekomponente in Emulsionen oder Hautcremes.

Einige Kosmetikhersteller verwenden auch Stammzellen aus den Blütenblättern der Rose (z.B. Annemarie Börlind). Was genau ist das und welchen Effekt haben sie für die Haut?
Stammzellen aus Rosenblüten oder Äpfeln gelten als schlagkräftige Anti-Aging-Waffe. Ob der menschliche Körper diese Stammzellen aber überhaupt erkennt und sie aufnimmt, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist aber, dass auch hier Peptode und Vitamine aus den Pflanzenstoffen das Hautbild verbessern.

Welche Rolle spielt der Rosenduft in der Aromatherapie? Welche Wirkung hat er auf die Psyche?
Die wohltuende Wirkung von Rosendüften ist seit über 6000 Jahren bekannt, seit es vermutlich den frühen Iranern gelang, die ätherischen Aromastoffe an Fette und Öle zu binden. Studien zeigen, dass bereits das Einatmen ätherischer Essenzen ausreicht, viele Wirkstoffmoleküle ins Blut zu schleusen und dann direkt im Limbischen System des Gehirns anzudocken, das für Gefühle zuständig ist. Der Rosenduft stärkt die Nerven bei Stress, schenkt neue Energie bei Müdigkeit und vertreibt eine gereizte Stimmung. Aber auch Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen. Sogar den Baby-Blues nach einer Geburt vertreibt eine Kombination aus Rosen- und Lavendelduft, beweist eine US-Studie. Die Psychologen verbrannten in Räuchergefäßen drei Wochen lang täglich jeweils nur 15 Minuten lang 2,5-prozentige ätherische Öle. Die jungen Mütter, die diese Aromatherapie genossen, erlitten deutlich seltener den Baby-Blues, den sonst rund 80 Prozent der Frauen verspürten. Sie hatten auch weniger Zukunftsängste, waren innerlich sicherer und freuten sich mehr auf die Zeit mit ihrem Baby.  Die winzigen Rosenmoleküle erhöhen die Teilungsrate von Zellen, fördern die Hautregeneration und beschleunigen die Wundheilung. Zudem wirken sie auf das Immunsystem und den Hormonhaushalt. So können sie z. B. besänftigend auf den hormonellen Zyklus der Frau einwirken und ihn wieder regulieren, wenn er aus dem Takt geraten ist. Das gilt vor allem bei Frauen im Klimakterium. Rosendüfte gleichen in dieser Zeit der Neuorientierung, in der sich die Werte von außen nach innen verlagern, Dysbalancen aus. Sie öffnen und kräftigen Herz und Seele.

Hilft Rosenduft auch beim Abnehmen?
Ja, es wird vermutet, dass der Rosenduft ein Sättigungssignal ans Gehirn sendet und den Stoffwechsel ankurbelt. Das hat jetzt eine aktuelle australische Studie nachgewiesen. 3200 übergewichtige Frauen zwischen 20 und 36 mussten mindestens drei Stunden pro Tag in einem Zimmer mit frischen Rosen verbringen. Nicht anders essen, nicht mehr Sport treiben, einfach nur den frischen, blumigen Rosenduft einatmen. Das Ergebnis verblüffte sogar die Ärzte: Der Appetit wurde von Tag zu Tag weniger, die tägliche Kalorienzufuhr sank um 1000 Kilokalorien. Im Schnitt nahmen die Frauen in gerade mal drei Wochen zwischen drei und fünf Kilogramm ab.

Kann man Rosenwasser oder Rosenöl auch selbst herstellen?
Ja, das geht ganz einfach, auch ohne Laborkenntnisse. Für ein Rosenwasser pürieren Sie eine große, frische (unbehandelte) Rosenblüte im Mixer, bis ein feiner Brei entsteht. Mit zwei Liter kochendem Wasser übergießen, über Nacht stehen lassen und morgens abseihen. Das Wasser duftet und schmeckt jetzt zart nach Rosen und hält sich im Kühlschrank etwa zehn Tage.  Um ein Rosenöl zu gewinnen, 100 g getrocknete Rosenblätter mit einem halben Liter Raps- oder Maisöl übergießen. Über Nacht stehen lassen und abseihen.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Rosenblätter zu ernten?
Geerntet werden sollten nur ungespritzte Blüten. Die beste Zeit zur Ernte ist frühmorgens, wenn der Tau gerade verdunstet ist. Dann verströmen die Blüten ihr volles Aroma und ihr Gehalt an ätherischen Ölen ist am höchsten. Die Blüten sollten Sie mit einem feinen Pinsel säubern, um kleine Insekten oder Fremdköper aus ihnen zu entfernen.

Was sollte man bei der Haltbarkeit der Produkte beachten?
Natürlich hängt die Haltbarkeit stark von der Lagerung, dem Lichteinfall und der Temperatur ab. Aber als Faustregel lässt sich sagen: Rosenwasser ist meist etwa ein Jahr haltbar, Rosenöl sollte auch nach 24 Monaten noch eine gute kosmetische oder medizinische Wirkung haben.

Rosengärten oder Heilpflanzengärten sind wunderbar, um Anregungen oder Ideen zu finden. Welcher ist für Sie der schönste Rosengarten?
Der größte und berühmteste Rosengarten ist ja das „Europa-Rosarium“ Sangerhausen, zwischen Harz und Kyffhäuser, mit seinen über 8500 Rosenarten und –sorten. Aber mich berühren vor allem kleine Bauerngärten oder private Rosengärten, bei denen ich spüre, wie viel Liebe und Leidenschaft da hineingesteckt wurden. Und am allermeisten natürlich meine eigenen Rosen. Sie lassen immer wieder mein Herz aufgehen.

Informationen zum Buch „Rosenmedizin. So sanft heilt die Königin der Blumen“ von Angelika Gräfin Wolfskeel von Reichenberg finden Sie unter folgendem Link:
https://www.mankau-verlag.de/buecher/alle-buecher/rosenmedizin

  • Erfahren Sie dort alles über die gesundheitsfördernden Wirkungen der Blume aller Blumen:
  • das Wichtigste über ihre Geschichte und Anpflanzung
  • heilkräftige Rosenzubereitungen wie Rosentee, Rosenwasser, Rosenöl etc.
  • wirksame Heilrezepte und Extratipps für häufige Beschwerden
  • köstliche Rezepte aus der Rosenküche